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Kompetenzorientierte Curriculumentwicklung und unterstützende didaktische Maßnahmen für Studierende und Lehrende.

Die Bedeutung kompetenzorientierter Lehre wird durch den Nationalen Kompetenzorientierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) betont. Im Fokus steht dabei die Entwicklung und Implementierung kompetenzorientierter Curricula, die es ermöglichen, Kompetenzen zu sinnstiftenden fachbezogenen Kontexten zu bündeln sowie den kumulativen Kompetenzaufbau mit longitudinalen Kompetenzsträngen zu bestimmen. Den Studierenden muss transparent und erfahrbar werden, wie die Lerninhalte aufeinander aufbauen und miteinander verzahnt sind und wie ihr Kompetenzniveau wächst. Den Abteilungen muss aufgezeigt werden, wie bisherige Unterrichtsveranstaltungen methodisch überarbeitet und ergänzt werden müssen. Es ist notwendig, im Sinne der fachspezifischen Anforderungssituationen kompetenzbezogen zu präzisieren und zu re-interpretieren. Deshalb muss den Lehrenden vermittelt werden, wie das kompetenzorientierte Paradigma im konkreten Unterricht umgesetzt werden kann und wie Unterrichtsprozesse gestaltet werden können, die helfen fachspezifische Kompetenzen auszuprägen.

Das Teilprojekt Tübingen trägt durch seine Arbeitspakete (AP) bei, die Fakultäten in der Entwicklung kompetenzorientierter Curricula sowie didaktischer Maßnahmen für Lehrende und Studierende zu unterstützen.


AP I: Systematische Curriculumentwicklung
In einer ersten Bestandsaufnahme wurden die aktuellen Curricula der beteiligten medizinischen Fakultäten entsprechend der NKLM-Klassifikationen analysiert („Mapping“), um Vorhandenes und Lücken zu identifizieren. Wegen der verzögerten NKLM-Verabschiedung beschränkte sich dies bisher auf die sieben ärztlichen Kompetenzrollen und drei klinisch relevante Fertigkeiten (ca. 35% des NKLM). An allen Standorten wurden 85-95 % der vorklinischen und klinischen Lehrveranstaltungen in standortspezifischen geschlossenen Datenbankbereichen erfasst (insgesamt Mapping von 593 Lehrveranstaltungen durch 185 Abteilungen). Die eigens entwickelte web-basierte „MERLIN-Datenbank“ bietet nicht nur druckfertige Lernzielkataloge, sondern auch detaillierte Curriculum-Analysen. Durch programmierte Abfragen wird in anschaulichen Diagrammen visualisiert, wann im Studienverlauf welche Kompetenzen in welcher Lehrveranstaltung auf welchem Kompetenzniveau vermittelt werden und wie sie geprüft werden (curriculare Transparenz). Die Fakultäten können gezielt Entscheidungen zu weiteren Maßnahmen ableiten. Fächer können sich besser einordnen; notwendige curriculare Änderungen sind leicht nachzuvollziehen. Auch medizinische Fakultäten aus dem Bundesgebiet sind bereits eingestiegen.
In einem Tübinger Pilotprojekt haben Studierende und Dozenten das Curriculum unabhängig voneinander gemappt. Die z.T. unterschiedliche Wahrnehmung der Inhalte der Lehrveranstaltungen geben Impulse für weitere curriculare Diskussionen in den Fächern.



AP II: Kompetenzorientierte Ausbildung der Lehrenden
In bundesweiter Zusammenarbeit mit dem GMA-Ausschuss Personal und Organisationsentwicklung in der Lehre der Medizin (POiL) wurden die Lehrkompetenzen von Hochschullehrenden in der Medizin erarbeitet und in einem Positionspapier definiert. Die Lehrkompetenzen wurden unter Tübinger Leitung im MedizinDidaktikNetz (MDN) eingebunden; die Standards zur medizindidaktischen Qualifizierung und Qualitätssicherung sind seit 2014 durch alle 37 Fakultäten per Unterschrift anerkannt (?www.MedizinDidaktikNetz.de). Auf der Basis der Lehrkompetenzen wurde die Dozentenqualifikation (MQ) kompetenzorientiert überarbeitet (? u.a. Feedback, Lehrmethoden, Einbindung von Blended-Learning-Elementen und kompetenzorientierter Prüfungsleistungen). Nach erfolgreicher Pilotierung und Trainerschulungen wird MQ I nach neuem Konzept seit SS 2014 auch allen Standorten mit hoher Teilnehmer-Akzeptanz durchgeführt. Die Aufbaustufe MQ II wird derzeit weiter überarbeitet. Die Entwicklung von kompetenzorientierten Lehrprojekten und deren praktische curriculare Umsetzung in MQ II wird derzeit pilotiert. Ab 2016 werden Alumni zudem über kurze praxisnahe Informationen zu neuen Entwicklungen, Methoden usw. regelmäßig online informiert (Kompakt-Impuls Medizindidaktik KIM).

Lehrende benötigen ein ähnliches Verständnis der ärztlichen NKLM-Rollen, um gemeinsam auch bei den Studierenden ein klares Rollenbild über Lehre und Vorbild zu entwickeln. Die standortübergreifende Studie zum „Assoziativen Verständnis der NKLM-Rollen“ mit MQ I-Kursteilnehmern zeigte in mehreren Kompetenzrollen überraschend hohe Raten an Fehldeutungen der Rollenkomponenten. Um Studierenden eine leichtere Orientierung und Einordnung zu ermöglichen, ist eine Aufklärung der Lehrenden erforderlich (? u.a. Einbau in MQ).

  • Görlitz A, Ebert T, Bauer D, Grasl M, Hofer M, Lammerding-Köppel M, Götz F. Kernkompetenzen für Lehrende in der Medizin (KLM). Positionspapier des GMA Ausschusses für Personal- und Organisationsentwicklung in der Lehre (POiL). GMS Z Med Ausbild 2015;32(2):Doc23.

  • Lammerding-Koeppel M., Ebert T., Goerlitz A., Karsten G., Nounla C.,  Schmidt S., Stosch C., Dieter P. German MedicalTeachingNetwork (MDN) implementing National Standards for Teacher Training Medical Teacher. Medical Teacher, 2015, 1–7, Early Online.

  • Wiechers S, Durante S, Lammerding-Köppel M. Assoziatives Verständnis der Kompetenzrollen des NKLM bei Lehrenden aus vier Medizin-Standorten. GMA-Tagung Graz, 26.-28. September 2013. DocV04_06.
    http://www.egms.de/en/meetings/gma2013/13gma174.shtml



AP III: Studierende
Die Bestandsaufnahme zeigte, dass es für die Studierenden kein zufriedenstellendes Angebot zur systematischen Förderung der Reflexionsfähigkeit (grundlegend beim Kompetenzerwerb) gibt. Das Lernportfolio-Studienpatenprogramm verbindet kritische Selbstreflexion der Studierenden mit strukturiertem Feedback durch Lehrende (Mentoren = „Studienpaten“). Das Programm wird systematisch ab Fachsemester (FS) 1 aufgebaut und begleitet die Studierenden in 8er-Gruppen durchs Studium. Im SS 2016 hat die erste Kohorte das 6. FS erreicht (insgesamt 1090 Studierende im Programm, 133 Studienpat/innen).

Eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie zu Art und Umfang des Betreuungskonzeptes zeigte, dass ein verpflichtendes 1:1-Gespräch pro Semester mit dem/r Studienpate/in auf Basis der Portfoliotexte signifikant höhere Akzeptanz und mehr Profit für die Studierenden brachte als ein detailliertes individuelles schriftliches Feedback mit Gesprächsangebot. In einer weiteren qualitativen Inhaltsanalyse der Portfoliotexte von Studienanfängern konnten häufige Problembereiche, das jeweilige Lösungswissen und der Grad der tatsächlichen Problemlösung herausgefiltert werden. Die Daten geben Hinweise, wo Unterstützungsmaßnahmen in der Studieneingangsphase im Sinne der Qualitätssicherung sinnvoll wären.


News
23.11.2017
Kategorie: Ankündigung

14.12.2017 - Workshop: „Supervision in the clinical setting“ in Mannheim

Die Veranstaltungsreihe zur medizindidaktischen Weiter-bildung im Praktischen Jahr wird im Dezember...

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21.11.2017
Kategorie: Ankündigung

MERLIN-Retreat in Tübingen

Das diesjährige Herbst-Retreat aller MERLIN-Projektmit-arbeiter/innen findet am 21.11.2017 in...

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16.11.2017
Kategorie: Ankündigung

Paper “Benchmarking for research-related competencies […]”ist online

Die Veröffentlichung zeigt am Beispiel des Erwerbs wissen-schaftlicher Fertigkeiten und Kompetenzen...

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20.09.2017
Kategorie: Ankündigung

Jahrestagung der GMA

Die Jahrestagung der GMA findet vom 20. - 23.09.2017 in Münster statt.

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11.09.2017
Kategorie: Tübingen

Weitere Nutzer der MERLIN-Mapping Datenbank

14 Standorte nutzen mittlerweile die MERLIN-Mapping Datenbank

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